Mikroultraschall der Prostata: Nutzen und Grenzen
Mikroultraschall liefert besonders detailreiche Bilder der Prostata während der Untersuchung. Der Arzt sieht die Bilder unmittelbar, kann auffällige Bereiche genauer betrachten und eine notwendige Gewebeentnahme gezielt steuern. Dabei sind moderne Technik und die Erfahrung des Untersuchers gleichermaßen wichtig.
Warum die Erfahrung des Untersuchers zählt
Ultraschall ist eine Live-Untersuchung: Der Arzt führt die Sonde, passt die Einstellungen an und beurteilt die Bilder direkt. Deshalb kommt es wesentlich auf seine Ausbildung und praktische Erfahrung an – insbesondere mit der Prostata und bildgestützten Gewebeentnahmen. [1, 2]
Was DEGUM-Stufen aussagen
Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) bescheinigt ärztliche Ultraschallkompetenz durch ein mehrstufiges Zertifizierungssystem. Stufe III ist die höchste Stufe innerhalb dieses Systems. In der Urologie setzt sie umfangreiche Untersuchungserfahrung sowie wissenschaftliche und ausbildende Tätigkeit voraus. Eine gültige DEGUM-Zertifizierung ist damit ein nachvollziehbarer Qualifikationsnachweis. Sie ist jedoch keine Garantie für eine bestimmte Diagnose und ersetzt nicht die Erfahrung mit dem konkret eingesetzten Verfahren. [2, 3]
Mikroultraschall oder MRT der Prostata: Welches Verfahren liefert die besseren Bilder?
Bildauflösung beschreibt, wie gut sich kleine, nahe beieinanderliegende Strukturen unterscheiden lassen. Für Mikroultraschall mit 29 MHz nennt die europäische Leitlinie eine Auflösung von etwa 0,07 Millimetern (70 Mikrometern). Dadurch lassen sich sehr feine Gewebestrukturen während der Untersuchung darstellen. Die MRT zeigt die gesamte Prostata und ihre Umgebung und liefert zusätzlich Hinweise auf Eigenschaften des Gewebes, etwa die Bewegung von Wasser darin. Beide Verfahren liefern deshalb unterschiedliche, sich ergänzende Informationen. [4, 5]
Zur technischen Einordnung: Für die anatomischen MRT-Bilder (T2-Aufnahmen) empfiehlt PI-RADS v2.1 Bildpunkte von höchstens 0,7 × 0,4 Millimetern in der Bildebene bei 3 Millimetern Schichtdicke. Das sind Vorgaben für die Aufnahme, keine feste Auflösungsgrenze jeder MRT. Diese Bildpunktmaße sind nicht unmittelbar mit der Auflösungsangabe des Mikroultraschalls gleichzusetzen. Aus den Zahlen lässt sich daher keine Aussage wie „zehnmal genauer bei der Krebsdiagnose“ ableiten. Ob eine verdächtige Veränderung erkannt wird, hängt auch von ihrer Lage, den Gewebeeigenschaften, der Bildqualität und der Erfahrung der Untersucher ab. [4, 5]
MRT und Mikroultraschall sinnvoll zusammenführen
MRT und Mikroultraschall können unterschiedliche Hinweise liefern und sich ergänzen. Werden die Bilder und die genaue Lage auffälliger Bereiche fachkundig zusammengeführt, kann dies helfen, relevante Veränderungen zu erkennen und die Gewebeproben gezielter zu entnehmen. Welche zusätzliche Untersuchung sinnvoll ist, richtet sich nach dem Befund. Mehr Untersuchungen bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. [4]
Wie wird die Aggressivität eines Tumors beurteilt?
Die Bildgebung hilft, verdächtige Bereiche zu finden. Ob tatsächlich Krebs vorliegt und wie aggressiv die entnommenen Tumorzellen einzuschätzen sind, beurteilt die Pathologie unter dem Mikroskop. Dazu dienen unter anderem der Gleason-Score und die ISUP-Gradgruppe. Gezielt gewonnene Proben können dazu beitragen, bedeutsame Tumoranteile zu erfassen. Trotzdem kann eine Biopsie einen Tumor übersehen oder seine Aggressivität unterschätzen. [4]
Was Studien zeigen
In der OPTIMUM-Studie erkannte die mikroultraschallgestützte Biopsie bei Männern ohne frühere Prostatabiopsie klinisch bedeutsamen Krebs vergleichbar gut wie die MRT-Fusionsbiopsie. Beide Verfahren wurden durch systematische Gewebeproben ergänzt. Das stützt den Einsatz von Mikroultraschall zur gezielten Diagnostik, belegt aber keine grundsätzliche Überlegenheit und keinen allgemeinen Ersatz der MRT. [1]
Sinnvoller Einsatz des Ultraschalls in der urologischen Praxis
Fachvortrag von Prof. Dr. Stephan Kruck beim FOMF Urologie Refresher Berlin, 22. November 2025. Der Beitrag richtet sich an medizinische Fachkreise. Die auf der Veranstalterseite genannte Zugehörigkeit zum Siloah St. Trudpert Klinikum bezieht sich auf den damaligen Stand. Heute ist Prof. Dr. Stephan Kruck Facharzt für Urologie und Gründer von PRECURIUM.
Zum Fachvortrag bei FOMF (öffnet einen neuen Tab)
Die Vortragsseite ist öffentlich erreichbar. Ob für die Wiedergabe ein FOMF-Zugang erforderlich ist, wurde nicht bestätigt. Der Link führt auf die externe Website des Veranstalters.
Quellen und redaktioneller Stand
- Kinnaird et al.: OPTIMUM-Studie, JAMA 2025;333:1679–1687
- DEGUM: Zertifizierung und regelmäßige Überprüfung der Ultraschallkompetenz
- DEGUM Urologie: Anforderungen an Stufe III
- EAU-Leitlinie: Diagnostik, Mikroultraschall, Gewebeuntersuchung und Biopsiestrategie
- ACR, ESUR und AdMeTech: PI-RADS v2.1 (2019), Abschnitt IV, technische Anforderungen an T2-Aufnahmen, S. 17–18 (PDF bei Dartmouth)
Recherche: 25. Oktober 2026. Allgemeine Information, keine individuelle Diagnose oder Behandlungsempfehlung.
